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Was ist der Unterschied zwischen japanischer und
chinesischen Akupunktur?
Um
diese Frage zu beantworten, muss ich ein wenig ausholen und über die
Geschichte beider Länder erzählen. Die Ursprünge der Akupunktur
liegen in China. Das älteste Standardwerk der chinesischen Medizin,
wurde vor circa 2500 Jahren verfasst. Die ältesten Funde von
Gold- und Silbernadeln stammt aus einem circa 4000 Jahre alten
Grab. Von China ausgehend verbreitete sich die Akupunktur zunächst
auf den asiatischen Raum. Im 17. Jahrhundert gelangte sie durch
jesuitische Priester nach Europa. Bis zum heutigen Tag hat sie
sich nahezu auf der gesamten Welt ausgebreitet. Betrachtet man die
lange Zeit und den weiten Raum ihrer Verbreitung, so wird
verständlich, dass es nicht „eine“ chinesische oder „eine“
japanische Medizin gibt, sondern eine Vielzahl von Traditionen
nebeneinander existieren.
Eigenarten
der japanischen Akupunktur Nach Japan wurde die
Akupunktur von buddhistischen Mönchen gebracht. Hier hat sie sich
entsprechend den landeseigenen Gegebenheiten weiterentwickelt. Die
japanische Akupunktur wurde stark geprägt, durch ihren Status als
Blindenberuf. Es entstanden eigene Schulen für blinde
Akupunkteure, denn das Fehlen des Sehvermögens wurde als besondere
Begabung für die Ausübung der Akupunktur angesehen. Die
Ausbildung eines feinen Tastsinns gilt bis ins heutige Japan als eine
wichtige Voraussetzung für einen guten Akupunkteur. Um eine
Diagnose zu erstellen befühlt man den Puls, die Bauchdecke und die
Meridian-Verläufe am Körper. Eine Ausbildung in japanischer
Akupunktur wird aus diesen Gründen niemals eine vorwiegend
theoretische Ausbildung sein. Vielmehr legen japanische Schulen
großen Wert auf die praktische Übung und damit der Verfeinerung der
eigenen Kunstfertigkeit. Dies ist eine typisch japanische, vom
Zen- Buddhismus geprägte Vorstellung, dass Meisterschaft nicht durch
die Ansammlung großer Wissensmengen entsteht, sondern vielmehr durch
stete, konzentrative Übung. Eine weitere Eigenart wird
repräsentiert durch eine Legende, die von den ersten Mönchen
handelt, die mit der Akupunktur nach Japan kamen. Sie führten dort
am Hof eines Shoguns diese neue chinesische Medizin vor. Der Shogun
ertrug in großer Gefasstheit die Nadeltherapie. Am Ende der Sitzung
befahl er, (vielleicht noch ein wenig blass um die fürstliche Nase),
dass diese Heilkunde erst in seinem Land Anwendung finden dürfe,
wenn man eine weniger schmerzhafte Stichtechnik erfunden habe. So
kam es zur Entwicklung des so genannten Führungsröhrchens, das die
Benutzung von weitaus dünneren Nadeln erlaubt. Eine subtile
Nadeltechnik, die mit feinen fast schmerzfreien Stichreizen arbeitet,
gehört tatsächlich zu den herausragenden Besonderheiten der
japanischen Akupunktur. Dies hat auch mit der
Bevölkerungsstruktur in Japan zu tun. Ähnlich wie hierzulande ist
der Anteil der Stadtbevölkerung in Japan groß. Sanfte
Behandlungsreize aber passen generell eher zu Stadtmenschen und
Kopfarbeitern, also zu mehr nervlich, als körperlich Beanspruchten.
In China hingegen lebt und arbeitet ein großer Teil der Menschen
auf dem Land. Entsprechend sind die in China verwendeten Nadelreize
eher von kräftiger Natur und passen mehr für körperlich arbeitende
und robustere Menschen.
Was
kennzeichnet im Vergleich dazu die chinesische Akupunktur?
Dazu sollte man wissen, dass in Europa
ein Stil der chinesischen Akupunktur dominiert, der unter Vorgabe der kommunistischen
Regierung der Landes entwickelt wurde.
Unter Mao Tse Toung wurde die traditionelle chinesische Medizin vereinheitlicht.
Sie wurde dem materialistisch kommunistischen Weltbild angepasst. Akupunkteure
die sich diesen neuen Vorgaben nicht anpassen wollten, mussten das Land verlassen.
Diese systematisierte Form wurde unter dem Titel TCM zu einem Exportschlager
Chinas.
Sie ist in ihrer Einheitlichkeit in unser westliches Weltbild besser integrierbar,
als die ursprüngliche Vielfalt von teilweise widersprüchlich nebeneinander
existierenden Schulen. Was ihre philosophisch-daoistischen Grundlagen betrifft,
beschränkt sich die moderne TCM auf das notwendige Minimum. Auch das erleichtert
die Weitergabe an westliche Mediziner erheblich.
Sehr erfolgreich wurden Studiengänge an chinesischen Universitäten
speziell für Ausländer eingerichtet. So kommt es, dass die TCM hierzulande
sehr bekannt wurde und viele Ärzte und Heilpraktiker damit arbeiten. Die
ältere vor-kommunistische chinesische Medizin, sowie japanische und koreanische
Stile sind durch die TCM nahezu verdrängt worden.
Seit einigen Jahren jedoch öffnen sich die westlichen Ausbildungsinstitute
zunehmend den älteren Ansätzen in der chinesischen Medizin. Damit
wächst auch wieder das Interesse an japanischen und koreanischen Behandlungsstilen.
Ich gehe davon aus, dass gerade in Europa eine weitere Durchmischung der unterschiedlichen
Traditionen stattfinden wird.
Der Ausgangspunkt dieses Artikels war die Frage, was speziell die japanische
Akupunktur kennzeichnet. Ich hoffe, dass ich Ihnen einige Informationen und
gedankliche Anregungen hierzu vermitteln konnte.
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